Die Bach Kantate „Ich elender Mensch“ BWV 48 knüpft textlich an die Heilung des Gichtbrüchigen im Matthäus Evangelium an. Der Sinn wird auf die eigene Sündhaftigkeit gelenkt, die der Vergebung bedarf. Der Eingangschor macht die Sündhaftigkeit sehr deutlich. Die zerknirschte, sündhafte Seele wird durch große Sprünge in den Gesangslinien und in vielen ungewöhnlichen Harmoniefolgen für den Hörer deutlich. Der Eingangschor besteht aus einer dreiteiligen Struktur: das Orchester mit einem harmonisch gespannten Ostinato, der Chor, der dem Orchester in die Quere kommt und über allem schwebt der von den Oboen und der Trompete gespielte Choral „Herr Jesu Christ, ich schrei zu dir“, der ebenfalls als Schlusschoral auftaucht.

 

Die folgenden Rezitative und Arien sprechen von der Heilung der Seele mit dem Vertrauenszuspruch, dass Jesus durch seinen Tod die Menschen von aller Sünde befreit hat. Rezitative und Arien spenden Trost und Seelenheil und enden voller Vertrauen in den Schlusschoral:

„Herr Jesu Christ, einiger Trost,
Zu dir will ich mich wenden;
Mein Herzleid ist dir wohl bewusst,
Du kannst und wirst es enden.
In deinen Willen seis gestellt,
Mach’s, lieber Gott, wie dir’s gefällt:
Dein bleib und will ich bleiben.“

 

Die Texte der Bach Kantate, welche ich mir für das Kantatenprojekt ausgesucht habe, sprechen von diesem Vetrauen. Die aufgewühlte und sündige Seele sucht das Heil und die Ruhe. Die affektgeladene Musik spiegelt dies ganz direkt wieder. Mitten in der Kantate gibt es einen plötzlichen Wechsel, die Musik wirkt versöhnlich. Die sündige Seele wirkt getröstet. Das Seelenheil bekommen wir durch Vertrauen, dass Jesus unsere Sünden am Kreuz erlitten hat. Mit diesem Vertrauen können wir den Alltag bestehen und getrost sein.

 

Wenn ich Vertrauen wage, dann fühle ich mich manchmal blind, weil ich mich ins Ungewisse begebe. Durch Vertrauen entstehen Bindungen, weil sie mir Sicherheit geben können. Wenn ich aber enttäuscht werde und mein Vertrauen ausgenutzt wird, dann fühle ich mich verletzt. Gottvertrauen ist für mich eine Quelle: Gott hilft mir, wenn ich mich ihm anvertraue. Gottvertrauen schafft Leben und Hoffnung.

Fabian Kiupel

Fabian Kiupel (*1997)